Dienstag, August 01, 2006

Das Verhältnis der Saudis zur Umwelt

Aus der Hausarbeit von Felicia aus Athen:
Unterschiede im Umgang der Menschen mit der Natur gibt es nicht nur in Griechenland, sondern auch in Saudi-Arabien. Da ich die meiste Zeit meines Lebens dort verbracht habe, konnte ich dort noch extremere Unterschiede beobachten als in Griechenland.
Zunächst muss man erwähnen, dass zwei Schichten – Arm und Reich – stark vertreten sind, aber eine Mittelschicht nicht wirklich vorhanden ist.
Die Beduinen leben in der Wüste in einem Zelt und haben ihre Kamele, Ziegen und Schafe immer bei sich. Sie haben keinen Kontakt zur Außenwelt, weshalb sie alleine auf die Natur angewiesen sind. Mit Wasser gehen sie sehr sparsam um, weil sie sonst keine Überlebenschancen hätten. Sie sind den Kräften der Natur ausgesetzt, müssen spüren wenn ein Sandsturm anfängt und wie sie sich davor schützen können. Ebenso lernen sie schon als kleine Kinder mit der Trockenheit in der Wüste umzugehen. Beduinen passen sich ihrer Umwelt an, weil sie keine andere Wahl haben.
Erst in den 70er Jahren sind viele Saudis sehr reich geworden, da sie für das entdeckte Öl anfangs nicht viel Geld bekamen, was sich nach dem ersten „Welt-Öl-Embargo” änderte. Durch das Geld änderte sich auch ihr Leben drastisch, da sie von der westlichen Welt beeinflusst wurden. Sie waren beeindruckt von der modernen Technik, die so plötzlich ihr Leben wie ein Freizeitpark gestaltete, da sie sich alles leisten können. Es ist teilweise so, dass die Menschen „direkt vom Kamel in den Mercedes umgestiegen sind“.
Diese Entwicklung trat für die Saudis so schnell ein, dass sie keine Zeit hatten sich über die Nebenwirkungen und Konsequenzen Gedanken zu machen. Sie ahnten nicht, dass sie durch ihr Bauen von riesigen Palästen im Meer, nämlich direkt auf den Korallenriffen, ihre Meere zerstören würden. Um diese prunkvollen Anlagen zu bauen, müssen erst lange Piere auf die Korallenriffe gebaut werden, wodurch die Wasserzirkulation von Ebbe und Flut gestört wird. Dadurch verändert sich die Wassertemperatur: das Wasser wird im Winter viel kälter und im Sommer viel wärmer. Dies führt wiederum dazu, dass Korallen sterben, also finden Fische keine Nahrung mehr und können auch nicht mehr laichen. Somit ist das ganze System gestört, wobei noch weitere Faktoren dazu beitragen. Saudi-Arabien besitzt nicht genügend Kläranlagen, weshalb das Abwasser oft ohne Bearbeitung ins Meer gespült wird. Das restliche Abwasser wird mit Lastwagen in die Wüste transportiert und sickert dort in Massen ins Grundwasser und verschmutzt dieses, obwohl davon sowieso schon zu wenig vorhanden ist.
Generell sehen sie die Wüste als Abstellplatz für ihren Müll. All diese Gründe führen zur Zerstörung der Natur im eigenen Lande.
Was jedoch in Saudi-Arabien anders ist als in Griechenland, ist, dass alle Menschen „erdverbunden“ sind. Sie beten und essen auf dem Boden, egal ob sie reich oder arm sind. Selbst ein Sheikh oder ein Prinz, der einen Palast hat, stellt sich im Garten ein Beduinenzelt auf, in dem er mit der Familie oder mit Freunden an Wochenenden seinen Tee trinkt. Religion, was dort ausschließlich der Islam ist, und Tradition spielen für die Saudis eine übergeordnete Rolle, die die Menschen mit der Natur verbindet, was in der westlichen Welt nicht mehr der Fall ist.
Im Großen und Ganzen würde ich sagen, dass zunehmender materieller Wohlstand das Verhältnis des Menschen zu seiner natürlichen Umwelt verändert – wie stark und in welchem Ausmaß, das hängt stark von seiner religiösen und traditionellen Bindung ab.
Felicia, Deutsche Schule Athen, Griechenland
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siehe auch:
den Aufsatz über Umweltschutz in Griechenland
die Aufsätze von Georg über Natur und Umwelt in Griechenland und das Feuchtbiotop Delta des Axios

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